Beziehungsmuster, mit denen du 2026 brechen solltest

Dieser Artikel erklärt, dass Beziehungen meist nicht an großen Streits scheitern, sondern an schleichenden Mustern wie Überfunktionieren, ungleich verteiltem Mental Load, Konfliktvermeidung und der Verwechslung von Intensität mit echter Nähe. Er plädiert dafür, Verantwortung abzugeben, Konflikte früh und offen anzusprechen und Stabilität nicht mit Langeweile zu verwechseln.

Studien haben bewiesen, dass die meisten Beziehungen nicht an einem einzigen großen Streit zerbrechen und aus einem ganz bestimmten Grund, sondern vielmehr aus Gewohnheiten, die nach und nach eher leise als laut die Beziehung zerstören - wie eine Blume ohne Wasser. 

Die Liebesbeziehung trocknet im wahrsten Sinne des Wortes aus, wenn Verhaltensweisen, die sich einst sicher und schützend anfühlten, sich in dekonstruktive und irritierende Handlungen verwandeln. 

Dieser Artikel könnte lesenswert für dich sein, wenn du: 

  • dich in Beziehungen schon mehr als einmal gefragt hast “Warum lande ich immer wieder hier?”

  • du erkannt hast, dass etwas schief läuft aber die Ursache unkenntlich sich hinter Gedankennebel versteckt

  • du dich wunderst, warum es immer der falsche Partner ist und du (noch) keine Gewohnheiten an dir selbst sehen kannst

  • wenn du einfach wissen möchtest, welche Beziehungsmuster ein Liebes-Killer sind

Der Anfang eines Jahres ist für viele das Ende von etwas Altem und ein Neubeginn. Manche machen Dry - January, fangen an sich einen neuen Job zu suchen oder hinterfragen ihre Beziehung.

Ist da genug Liebe? Werden wir uns dieses Jahr genauso viel streiten, wie das Jahr davor?

Während wir im Dezember noch reflektiert haben und der ein oder andere über die Rauhnächte sich Wünsche und Ziele manifestiert hat, treten wir im Frühling in Aktion!

Hier sind psychologisch fundierte Ansätze, um  die eigens versprochene Entschlossenheit, einhalten zu können: 

1. Überfunktionieren unter dem Decknamen der Liebe

Bereits in der Kindheit wird zwanghaftes Überfunktionieren durch Lob oder Belohnung antrainiert und erlernt. Wenn Zuneigung an Bedingungen geknüpft wird, werden Verhaltensweisen geformt, die darauf abzielen, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen. Bedingungslose Liebe von den Eltern erleichtert es uns später, auch im Erwachsenenalter Nähe aufbauen zu können und das ohne ständige Verlustangst. 

Wenn dies nicht der Fall ist, kann es sein, dass sich die betroffene Person in einer Beziehung für die Gefühle ihres Partners verantwortlich fühlt und denkt, diese “managen” zu müssen. 

Das Ziel “low maintance” zu sein, was in der Kindheit funktioniert hat, kann hier ordentlich nach Hinten losgehen: Der Versuch die Bedürfnisse aller (auch von gemeinsamen Kindern) zu antizipieren und zu erfüllen und Konflikte glätten bevor sie an die Oberfläche kommen ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Denn erstens sind wir keine Maschinen und diese Aufopferung führt zu hoher mentaler und auch körperlicher Erschöpfung. Zweitens ist es schier unmöglich, da die meisten Menschen (noch) keine KI-Roboter sind und auch nicht Telepathie beherrschen.

“ich bin nicht für die Gefühle meiner Mitmenschen verantwortlich”

sollte dein Neues Mantra werden, wenn du dich in Geschriebenen soeben wieder erkannt hast. 

Mental load: dieser Begriff wird zur Zeit sehr viel durch die Medien geworfen und das hat auch seinen Grund, denn er ist ungleich stark auf die Geschlechter verteilt - laut einer Studie aus dem Jahr 2019. Frauen, die sich allein für den emotionalen (Geht es den Kindern gut?) und den organisatorischen (Wann haben wir den Arzttermin?) Zustand der Familie verantwortlich fühlen, sind unzufriedener und überlastet. Selbst eine enge emotionale Bindung zum Partner gleicht diesen „Mental Load“ nicht aus – das Problem ist nicht mangelnde Liebe, sondern die Ungleichheit.

Wie nehme ich mir weniger aus dem Topf des Mental Loads?

Überfunktionieren gänzlich abzuschalten, gerade in einem Haushalt mit kleinen Kindern, ist schwer vorstellbar und oft nicht realistisch, aber es ist möglich eine ordentliche Menge abzuwerfen. 

Was kann ich gegen Überlastung tun? 

Zunächst eine höhere Toleranzschwelle etablieren. Die Küche muss nicht jeden Abend blitzeblank sein und auch die Performance im Bett muss nicht wie im Porno sitzen. 

Weg vom Perfektionismus, hin zur Rebellion! 

Nimm dir bewusst den Raum, den du in deiner Beziehung brauchst. Erlaube deinem Partner, Verantwortung zu übernehmen – und ja, auch zu scheitern.

Man sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, experimentieren zu wollen und den Ausgang von Situationen und auch Emotionen risikofreudiger zu sehen. 

Kann ich schlecht gelaunt sein und meine Freundin/ mein Freund ist mir eine Stütze?

Kann ich in den Urlaub fahren und, wenn ich zurückkomme ist zu Hause noch alles so wie davor?

Wenn diese Fragen mit Nein beantwortet werden, dann kann man davon ausgehen, dass das Problem in der Beziehung nicht die Anstrengung ist, sondern die Struktur.

2. Sind wir kompatibel oder gehen wir nur Konflikten aus dem Weg?

Um gesellschaftlichen Normen zu entsprechen, versuchen Liebespaaren oft Drama zu entgehen und emotionale Intelligenz wird mit Konfliktvermeidung gleichgesetzt, ganz der “der Klügere gibt nach” - Devise. 

Die große Gefahr nichtausgesprochener Probleme ist die der emotionalen Distanz. 

Gedanken, die nicht miteinander geteilt werden, gehen verloren und das kann zur Basis passiver Aggression werden. Dr. John Gottman stellte dazu klar, dass der Umgang mit Konflikten einer der stärksten Indikatoren für das Scheitern einer Beziehung ist. Das bedeutet konkret, dass in jeder Beziehung früher oder später Herausforderungen aufkommen werden, die Frage ist nur, wie mit ihnen gehandhabt wird. 

Und wenn gar nicht erst darüber gesprochen wird, löst sich meistens das Problem eben nicht in Luft auf. 

Wenn die Gesellen emotionale Distanz und passive Aggression da sind, können auch andere, wie die Entfremdung voneinander und Einsamkeit in der Beziehung dazukommen. 

Um dieses Beziehungsmuster zu durchbrechen, hilft es Konflikte nicht als persönliche Angriffe, sondern als Information zu sehen. Sie zeigen, wo Bedürfnisse, Werte und Grenzen (neu) verhandelt werden wollen. 

Ein Streit entscheidet nicht darüber, ob eine Beziehung Bestand hat. Entscheidend ist, wie er ausgelebt wird und was danach passiert. Nähe entsteht nicht durch totale Harmonie, sondern dadurch, dass man lernt, auch nach einem vorerst unlösbaren Streit wieder zueinanderzufinden.

Der beste Weg, um das zu erreichen ist:

  • Frühzeitig das Problemchen äußern  - “Problemchen” deshalb, da es zu Beginn meist noch kleiner ist als später - es gibt noch keinen Groll, der sich aufgebaut hat.

  • Fragen statt Interpretieren! Statt in wilden Gedankenkarussellen zu verfallen, genügt es oft nachzufragen, zum Beispiel: “Was ist dein Bedürfnis dahinter?”

3. Intensität ist nicht Intimität

Ihr müsst nicht das ganze Spektrum, was ein Mensch an Gefühlen haben kann, durchmachen, um euch nahe zu sein. Hollywood & die Popkultur wollen uns seit der Geburt unserer Ururururur - Großmutter weismachen, dass Liebe dramatisch sein muss, um echt zu sein. 

Der Beginn einer Beziehung wird von Dopamin angetrieben. Biologisch gesehen wird sich Bindungssicherheit herbeigewünscht. Das ist auch ganz in Ordnung so, da wir zu diesem frühen Zeitpunkt auch meist noch den Anderen als Mysterium sehen und eine natürlich eingebaute Distanz noch da ist, da die andere Person, ja faktisch uns noch etwas fremd ist. 

In dieser frühen romantischen Bindung erzeugen Verliebte erhöhte Oxytocinwerte, welche das Gefühl geben, die Person schon immer zu kennen. Jeder hat es schonmal selbst erlebt oder bei einem Freund/ einer Freundin mitbekommen: Bei den meisten läuft die Verliebtheitsphase nicht geradlinig bis sie sanft in einer Beziehung mündet, nein, es kommt zu Unsicherheiten (“sie hat mir das letzte Mal vor 3 Tagen geschrieben, interessiert sie sich noch für mich..” oder “er ist mir zu antifeministisch und wir haben uns deswegen in den Haaren gehabt - soll ich mit ihm weitergehen noch?). 

Entsteht Intensität aus Unruhe statt aus Verlässlichkeit, kann Nähe instabil werden. Was sich wie Leidenschaft anfühlt, endet dann oft im Push-and-Pull. Ruhe wird mit Langeweile verwechselt – und Stabilität mit Gefahr.

Denkanstöße zum mitnehmen und sich erinnern: Wenn Intensität immer die oberste Priorität ist, werden Eigenschaften, die eigentlich wichtig sind, um eine langfristige Beziehung zu führen, benachteiligt. Dazu gehören Zuverlässigkeit, Sanftheit und die Fähigkeit, Probleme lösen zu wollen. 

Fragen die man sich in einer Beziehung stellen sollte: 

Ist meine Beziehung ein Energievampir für mein Nervensystem?

Fühle ich mich in der Anwesenheit des anderen/ der anderen ausgeglichen oder aufgekratzt?

2026 kann als Chance gesehen werden, in einer Welt, in der KI in aller Munde ist, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu stärken. Ich, als Paartherapeutin, sehe das Miteinander als wichtigste Ressource, die wir Menschen haben. 

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Gibt es unlösbare Beziehungsprobleme?