Liebe ohne Grenzen = Hollywood-Kitsch ?

Warum sind traditionelle Geschlechterrollen bei internationalen Liebespaaren weniger stark ausgeprägt als bei mononationalen Paaren?

Wer schon mal eine Sommerromanze im Ausland hatte oder sich während des Erasmusprogramms in den Mitstudenten verliebt hat, weiß, wovon ich spreche: Das ist nicht nur spannend & besonders sondern manchmal auch ein richtiges Abenteuer.

Es stehen verschiedene Traditionen gegenüber– und, ja, auch nervige Fragen, wie: „Warum koche immer ich?“ oder „Wieso erwartest du, dass ich alles organisiere?“

Aber genau da passiert etwas Magisches: Wir stellen etwas so in uns Verankertes in Frage: Während viele monokulturelle Paare teilweise zu brav die traditionellen Schubladen „Mann macht dies, Frau macht das“ bedienen, sind bikulturelle Paare oft gezwungen, Neues auszuprobieren. Wer in einem Alltag voller Sprachbarrieren, Behördenchaos und kultureller Missverständnisse lebt, der hat keine Zeit für Rollenbilder (?).

Unterschiedliche Werte & Kultur – eigene Paardynamik

In internationalen Beziehungen entstehen immer zwei oder mehr Sets von Erwartungen: von Seiten der Herkunftskultur jeder Partner*in. Diese Erwartungen müssen oft verhandelt oder abgewogen werden – was dazu führt, dass streng traditionelle Geschlechterrollen der jeweiligen Kulturen hinterfragt werden.

Studien zeigen, dass in interkulturellen Ehen Wertevergleiche stattfinden und dass Normen mitunter flexibler werden, wenn die Partner*innen lernen, was in der Kultur des/der anderen üblich ist. So fanden Forschende heraus, dass interkulturelle Paare durch das Bewusstsein über vorhandenen Wertvorstellungen transparenter in der Kommunikation über Rollenverteilungen sind.

Oft wird eine eine „third culture“ entwickelt; dazu gehören auch eine eigene Paarsprache, wo Sätze wie: „Bringst du noch den trash runter?“ „Hast du les clés?“ einfach stehen gelassen werden.

Was lässt sich daraus schließen?

Die schwächere Ausprägung traditioneller Geschlechterrollen in bikulturellen Paaren scheint nicht auf einen einzigen Faktor zurückzuführen zu sein, sondern auf ein Zusammenspiel von mehreren.

Außerdem konnte in der Studie: „Partner (in)congruence in gender role attitudes and relationship satisfaction“ (deutsch-amerikanische Beziehungen) festgestellt werden, dass Paare zufriedener sind, wenn beide Partner*innen ähnliche, egalitäre Einstellungen haben, und dass Abweichungen von traditionellen Einstellungen (z. B. der Mann übernimmt mehr Care-Arbeit oder die Frau verdient mehr) mit höherer Beziehungszufriedenheit einhergehen. – tja, wen wundert das noch?!

Sind internationale Paare die heimlichen Pioniere der Gleichberechtigung – oder nur bessere Diplomaten im Beziehungsalltag?

Verschafft die mögliche, geringere traditionelle Rollenverteilung einen dauerhaften Hausfrieden? Nun sind binationale Partnerschaften keineswegs krisenanfälliger als monokulturelle Beziehungen, doch ewige Diplomatie herrscht auch hier nicht!

 Die Herausforderungen sind anders:

  • Spannungen können durch herkunfts-kulturelle Erwartungen entstehen. Dies führt zu Frustration, wenn -nun kommt der holy grail der Paartherapeuten– nicht offen kommuniziert wird

  • Sprachliche Missverständnisse sind der Klassiker, hier kann die Methode des Imago-Dialogs* eine Stütze sein.

*Eine strukturierte Kommunikationsmethode, die darauf abzielt, gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz zwischen Gesprächspartnern aufzubauen, indem sie den Fokus vom „Machtkampf“ auf eine wertschätzende, empathische Verbindung lenkt.  

Quellen 1/ 2/ 3

Aus eigener Erfahrung ist es mir eine Herzensangelegenheit internationale Paare kultursensibel zu begleiten auf deutsch, englisch, französisch oder alle drei gemischt und gleichzeitig - ganz der third culture entsprechend.

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